Dienstag, 29. Oktober 2013

Der Pfad der Erleuchtung

Am eigenen Leib durfte ich in den letzten Wochen lernen, dass die Internetplattform nicht nur dazu dient, Mr. Right ausfindig zu machen. Gut, okay- dazu dienen soll, Mr. Right ausfindig zu machen, denn ganz platt und im Präsenz ausgedrückt, hat das ja bei mir bislang eher geringe Erfolge gezeitigt. 
Nein: Die Partnerbörse macht auch einen besseren Menschen aus mir! Wie das kommt? Ich gebe Beispiele:
Als ehrliche Haut habe ich mich in der Sportlichkeitskategorie ganz unten eingestuft, denn in einem Moment der Offenheit vor mir selber hatte ich beim Erstellen meines Profils eingesehen, dass der Nutzen davon, geschönte Angaben zu machen, langfristig gering sein dürfte. Jetzt treibt mich der Gedanke: "Wenn ich nur zwei bis drei Mal die Woche ein bisschen joggen gehe, dann kann ich mich da ganz ehrlich upgraden und meine Chancen bei der holden Männlichkeit verbessern!" in die Sportschuhe! Ehrlich wahr!
Oder: der Indianer aus dem letzten Post hat sich dann schließlich doch noch gemeldet- um mir mitzuteilen, dass wir nicht zusammenpassen. Leider. Und was regt sich da ganz tief in meiner Brust? Das fiese Bedürfnis, jetzt selbst noch mal nachzutreten und ihm so etwas erwachsenes und vernünftiges mitzuteilen wie etwa: "Mir doch egal! Und übrigens, nur dass du Bescheid weißt: ich hab dich zuerst doof gefunden!" Ja, lieber Leser, aber weil ja die Plattform jeden weiteren Kontakt unterbindet, sobald einer die berüchtigte "Ich glaube, wir passen nicht wirklich zusammen"-Email geschrieben hat, ist mir diese Möglichkeit nicht gegeben. Was kann ich also tun? 
Nichts. 
Ich muss mit dem fiesen kleinen Gefühl leben, bis es sich abschwächt zu einem semi-beleidigten "Mit doch egal, der ist ohnehin bescheuert!" und dann irgendwann ganz verfliegt.
Ich verstehe jetzt langsam, wieso gefühlt alle anderen außer mir auf ihrem Profil angeben: "Ich habe nie schlechte Laune!"  Oder: "Ich bin nicht im geringsten nachtragend!" Oder: "Mein größtes Hobby ist Rohkostschnitzen im Anschluss an meinen täglichen Marathon!"
Das sind ganz einfach Mitglieder, die schon viel länger bei der Plattform registriert sind und demnach den Pfad der Erleuchtung schon einige Meilen weiter gelaufen sind als ich. Wenn ich also nach Ablauf der zwei Jahre Mitgliedschaft immer noch ohne Mr.Right dastehe- dann bin ich wenigstens von einem ganz normalen Menschen zu einer Lichtgestalt mutiert. Und mehr kann man ja für zwanzig Euro im Monat auch nicht verlangen. 

Samstag, 26. Oktober 2013

Strahlemann

In-der-Medizintechnikbranche-arbeitender, 36, schreibt mir. Er sieht ein bisschen aus, wie eine Gottesanbeterin mit Geheimratsecken, Matchingpunkte: 103. Den Namen verrät er mir auch: ich will ja hier meine Männer nicht ganz und gar entblößen, darum behalte ich den für mich, nur so viel: für den eigenen Namen kann man ja nichts, den kriegt man von den Eltern. 
Auf seinem Profilbild steht In-der-Medizintechnikbranche-arbeitender strahlend im Anzug neben einem Computerbildschirm, welcher einen Bestrahlungsplan zeigt. Ich nehme mal an, das Foto wurde für den Prospekt einer Firma aus der Medizintechnikbranche aufgenommen.
In-der-Medizintechnikbranche-arbeitender (im weiteren kurz Indianer genannt) findet mein Profil nett. Und ich finde nett, dass er mein Profil nett findet (und ja, sein Profil ist auch ganz nett). Ich frage ihn also mal konkret nach dem Bestrahlungsplan auf seinem Profilbild (ich mache nämlich beruflich sowas in der Art) und bekomme als Antwort:

"Hallo Bina,
lieben Dank für Deine Nachricht! Ich habe mich sehr gefreut.
Bisher hat noch niemand so detailliert auf mein Foto Bezug genommen ;-) Damit hast Du mich sehr überrascht. Arbeitest Du vielleicht auch in der Strahlentherapie? Ich bin eigentlich Informatiker und arbeite als Softwareentwickler in einer Firma, die sich mit medizinischer Bildverarbeitung, aber vor allem Software für die Strahlentherapie beschäftigt. 
Du gehst auch immer wieder gerne ins Theater oder in Konzerte hast Du geschrieben?
Ich wünsche Dir eine gute neue Woche und würde mich sehr freuen, wenn wir weiter in Kontakt bleiben könnten!
Liebe Grüße
Indianer"

Jaaaaaaaaaaaaaaa, endlich mal einer, der es gut findet, dass ich langweilig bin! Jawoll, ich gehe gerne ins Theater und auch in Konzerte. Und berufliche Überschneidungen haben wir auch, da hätte man zumindest ein Thema, mit dem man peinliche Gesprächspausen überbrücken könnte. 
Also schreibe ich ganz lieb zurück, dass wir in der Tat auf verwandten Gebieten arbeiten- und höre nie wieder was von Indianer, der sich doch angeblich so gefreut hat, von mir zu hören, und der so unheimlich gerne mit mir in Kontakt bleiben möchte.

Das hat mich sehr beschäftigt, ich habe auch intensiv darüber nachgedacht. Und ich habe die Lösung gefunden: Indianer arbeitet gar nicht in der Medizintechnikbranche! Er ist Model und wird von Medizintechnikfirmen gebucht, wenn ein seriös aussehender Typ gebraucht wird, der auf einem Foto neben einem Bestrahlungsplan stehen und Begeisterung ausstrahlen soll.  Und jetzt hat er natürlich Angst, ich könnte ihm auf die Schliche kommen.
Na, mit so einem will ich ohnehin nichts zu tun haben.

Dienstag, 22. Oktober 2013

Setzen, sechs!

Ein Diplomgeologe, 27,  findet mich nett und lächelt mich an, scharfgeschaltete Bilder inklusive. Das Foto sieht ein bisschen so aus, als hätte Diplomgeologe eine Karriere als Schlagersänger im Länderfernsehen geplant und vorsorgshalber schon einmal die Autogrammkarten bestellt. Aber 107 Matchingpunkte müssten diese Möglichkeit doch eigentlich relativ sicher ausschalten? Ich meine: mit so jemandem kann ich niemals 107 von 136 möglichen Übereinstimmungspunkten haben, das sind ja immerhin.... ich rechne... ähh..... 107 geteilt durch 136....ha!! 78,68% Übereinstimmung! Jawoll! Wäre Diplomgeologe eine Klausur, dann wäre er eine glatte Dreiplus! 
Mmmmmh.
So gesehen ist die Übereinstimmung vielleicht doch nicht so hoch?
Egal. Ich lächle zurück. Und gebe meine Bilder frei. Und dann...... 

"Mach's gut, aber ... Ich habe den Eindruck gewonnen, dass wir nicht wirklich zusammenpassen." 














Also echt jetzt. Dass ich nicht aussehe wie Claudia Schiffer weiß selbst- aber immerhin sehe ich auch nicht aus wie Claudia Roth! Und überhaupt, das sage ich jetzt GANZ OBJEKTIV und ABSOLUT OHNE mich von meiner selbstverständlich gerechten Empörung beeinflussen zu lassen- schöner als Diplomgeologe bin ich allemal! 
Ich vergebe eine schlechte B-Note, wodurch sich Diplomgeologes Gesamtnote deutlich verschlechtert (nix mit Dreiplus!!!), und gratuliere mir selbst dazu, dass ich diesen Frosch nicht küssen muss.
Der eigentliche Verlierer in diesem Szenario, das ist dem geneigten Leser hoffentlich klar, ist eindeutig der Frosch.

Der Arme.

Sonntag, 20. Oktober 2013

Pretty Woman...

Was für eine Woche, Freunde! Ewiglang führe ich ein Aschenbrödel-Dasein ganz am Rande der Plattform, es hagelt böse "Ich habe den Eindruck gewonnen, wir passen nicht wirklich zusammen..."-Nachrichten, man tätschelt mir gleichsam den Kopf, indem man mir mitleidig versichert, ich würde auch noch einen netten jungen Mann finden... Und dann EXPLODIERT mein Postfach!!!! Was ist passiert? Keine Ahnung. Eine kurze Internetrecherche ergibt, dass auch mein Horoskop überrascht ist, hier hätte man meine Chancen eher in den Sommermonaten gesehen. Es kann also nichts damit zu tun haben, dass Jupiter im 13. Haus steht und die Venus durch meinem Mond zieht oder so.
Tatsache ist: ich kann mich kaum retten. Studenten der Politik und Germanistik, Forstmeister, in der Medizintechnikbranche arbeitende schreiben mir. Nicht zu vergessen natürlich mein Goldstück, das ich letzte Woche schon vorgestellt habe. Und alle freiwillig, keinen musste ich zuvor anlächeln, anschreiben oder sonst irgendwie belästigen. Teilweise wohnen sie, anders als z.B. Goldstück, noch nicht mal am anderen Ende der Republik. Man stelle sich vor, einer von denen wäre derjenige, welcher? Und man könnte sich sogar noch treffen, ohne vorher stundenlang in den Mühlen der Deutschen Bahn zerrieben zu werden?
Und noch eine Neuerung: bislang habe ich ja brav so nahezu jedem zurückgeschrieben. Aber jetzt habe ich ja AUSWAHL!!! Jetzt ist Schluss mit Nettigkeiten! MUUUUUUUUUUUUUUUUUUHAHAHAHAHAAAA!
Da schreibt mir nämlich einer von ganz schön nah dran, und man: der weiß ja echt, was man einer Frau sagen muss. Jedenfalls einer Frau, die auf Gesülze steht. Ich für meinen Fall bin leider mit einem beklagenswert prosaischen Charakter ausgestattet:

"Du kommst sehr sympathisch bei mir an. Du bist sehr sehr Hübsch, auch wenn das Bild noch verschwommen ist kann man das erkennen.Aber ich glaube das bekommst du hier täglich mitgeteilt von tausenden Männern die dein Bild einsehen können."

Alter, im Ernst? Wenn mein Weg gepflastert wäre mit Männern, die durch den Anblick meiner blendenden Schönheit ihr Augenlicht eingebüßt haben, dann würde ich wohl kaum die zwanzig Öcken im Monat dafür abdrücken, Mitglied bei einer Internet-Singlebörse zu sein!  (Und an dieser Stelle ganz liebe Grüße an Cosma Shiva Hagen, die tatsächlich Werbung für eine dieser Plattformen macht: wen möchten Sie denn damit veralbern, Frau Hagen? Ich bin bereit, einen Kasten Bier darauf zu verwetten, dass Sie es weder in Vergangenheit, noch in Gegenwart und Zukunft nötig hatten/haben/haben werden, mit verschwommen Bildern im Internet auf Männerfang zu gehen!)
Fast ein bisschen mehr als der schwülstige Inhalt stören mich die eigentümlichen Formulierungen, die mangelhafte Rechtschreibung und die fehlenden Kommata in der Nachricht. Ja. Ich gebe es zu: Ich bin eine rechthaberische Besserwisserin, ein unerträglicher Snob und herablassend noch dazu. Das hat der Gute nicht verdient, wo er mich doch so hübsch findet. Daher schreibe ich ihm ganz lieb zurück:

"Ich finde dein Profil sehr sympathisch, aber ich habe in den letzten Wochen jemanden näher kennengelernt und wenn du mir schon so offen schreibst, will ich dir daher auch ganz ehrlich sagen, dass ich aus diesem Grund nicht denke, dass es uns weiterführt, wenn wir uns schreiben.
Ich drücke dir aber ganz fest die Daumen und bin mir sicher, dass du diejenige finden wirst, für die du der Hauptgewinn bist, so wie sie für dich.
Ganz liebe Grüße, Bina"


Ist natürlich gelogen. Hab nämlich gar niemanden kennengelernt. Zumindest niemanden, dessen ehrlich empfundenes Interesse an mir es rechtfertigen würde, dass ich meine Internet-Aktivitäten aufgebe. (Aber wäre das nicht eine wunderschöne Vorstellung? seufz...).  Dafür kann ich den Programmpunkt "Gute Tat" für heute von meiner To-do-Liste streichen und mich einfach super fühlen.

 Oh man, ich bis so nett.  Ein echter Glückspilz, der Kerl, der mich mal abbekommt!

Sonntag, 13. Oktober 2013

Manchmal ist das, was glänzt, doch Gold

Beim Rekapitulieren des bislang geschriebenen fällt mir selbst auf, dass das hier bislang eine kurze Geschichte des Scheiterns ist. Natürlich schön aufgehübscht und hergerichtet, an den lächerlichen Stellen poliert und alles so gedreht, dass ich auf keinen Fall irgendwie wirke, als hätte mich irgendein Detail daran getroffen.
Ganz so ist das natürlich nicht:es trifft mich, wenn mich jemand ablehnt. Auch wenn ich denjenigen eigentlich gar nicht kenne und sogar auch, wenn ich zumindest soviele Details erahnen kann, dass ich eigentlich weiß: der passt ohnehin nicht zu mir. Man möchte ja gemocht werden!
Manchmal passiert es, dass ich jemandem einfach ein Lächeln schicke- und als Antwort kriege ich dann ein "Ich habe den Eindruck gewonnen, dass wir nicht wirklich zusammenpassen."  Das finde ich dann kränkend. Derjenige hätte mir ja auch einfach nicht zurückschreiben können? 
Einmal habe ich mir mit jemandem geschrieben, den ich sehr nett fand. In der Zeit habe ich von drei anderen, um die es wirklich wenig schade war, den Abschied bekommen. (Einer war der unten erwähnte Rechtsanwalt.) Und dann war in meinem Kopf der Gedanke: Was, wenn der mich jetzt auch absägt? Das würde mich wirklich für einen Tag in schlechte Laune versetzen. Bei den anderen kann ich das sportlich nehmen, auch wenn es mir natürlich einen Stich versetzt hat. Aber speziell von ihm wollte ich nicht gerne verabschiedet werden. 
Was also tun? Ich sammele meine gesamte und ausführlich alltagserprobte Beziehungsunfähigkeit zusammen und schreibe ihm selbst: Ich glaube wir sollten uns nicht weiter schreiben. Was, geneigter Leser? Das hältst du für keine besonders gute Idee? Aber es ist schließlich ein totsicherer Weg, um zu vermeiden, selbst in die Wüste geschickt zu werden! Das ganze formuliere ich aber als  normale Nachricht und nicht als die von der Plattform angebotene Abschieds-Email, nach der ja ein weiterer Kontakt nicht mehr möglich ist. Denn wie ich bereits erwähnt  habe: die Abschieds-Emails finde ich selbst kränkend - und deshalb verschicke ich auch keine. 
Zum Glück! Denn am Wochenende kommt die beste Freundin zu Besuch- es gibt Kaffee, Kuchen, Alkohol, Gespräche und Selbsterkenntnis. Und nachdem sie aus mir herausgekitzelt hat, wieso ich diesem netten jungen Mann nicht mehr schreibe, bringen sanfter Druck und Restalkohol mich dazu, ihm doch wieder zu schreiben: wie das nämlich kam, dass ich keine Zukunft für uns sah. Und ich bekomme eine weise Antwort:

"Mit der Angst vor Ablehnung und Enttäuschung müssen wir wohl alle leben."

So ist das nämlich. Im Internet nicht anders, als im echten Leben. 

Er und ich schreiben uns seitdem wieder- getroffen haben wir uns bislang nicht. Vielleicht werden wir uns nie treffen, vielleicht auch doch. Vielleicht stellen wir fest, dass wir uns nicht mehr als ganz nett finden, vielleicht kommt es ganz anders? Aber auch, wenn es mich am Ende nirgendwo hinführt, oder wenn ich am Ende ganz doof dastehe und er eine grünere Wiese gefunden hat: Mit der Angst vor Ablehnung und Enttäuschung müssen wir wohl alle leben- no risk, no fun!

Sonntag, 6. Oktober 2013

Das kommt mir türkisch vor!

Turkologe, 31, kommt von weit weg, bietet nicht mehr als 88 kleine Übereinstimmungspünktchen und sieht in verpixelt recht nett aus. Ich möchte gerne wissen, wie um alles in der Welt man Turkologe wird? Um nicht dumm sterben zu müssen, schreibe ich ihm einfach und bekommen auch gleich eine Antwort:

"hey,
ich habe spass an sprachen, darum hatte ich türkisch gelernt. daraufhin wollte ich mehr über die turkvölker wissen.  eingeschrieben, abgeschlossen = turkologe :-)"


Man wird alt wie eine Kuh, und lernt immer noch dazu.
Dann weiß ich ja jetzt Bescheid.

Mit dem Ingeniör hat man es schwör

Wer von meinen aufmerksamen Lesern erinnert sich noch an die Sache mit den Spaßfragen?  Ingenieur und ich haben trotz mickriger 96 Übereinstimmungspunkte vier von vier möglichen Treffern bei den Spaßfragen! Juhuu! Die unten bereits erwähnte mit dem Schlauchboot ist auch dabei, es geht zudem um Schlussstriche und gemeinsame Wohnungen. Ingenieur ist nicht so ganz mein Fall, von Anfang an nicht, und dass der Kontakt überhaupt zustande kommt, verdankt sich eher meiner wachsenden Verzeiflung angesichts der Tatsache, dass sich hier NICHTS aber auch gar! nichts! ergibt. Blöd.
Aber vier von vier ist ja mal eine Basis, auf der können wir uns ja vielleicht doch eine gemeinsame Zukunft aufbauen? Ingenieur ist jedenfalls begeistert über so viele Gemeinsamkeiten. Er verrät mir, dass er im Fernsehen gerne Dokus anschaut und möchte im Gegenzug jetzt was über mich erfahren. Die mannigfaltigen Rechtschreibfehler ignoriere ich für's erste noch. Sind bestimmt alles nur Tipp-Fehler. Er hat es vielleicht eilig gehabt beim Schreiben. Ein bisschen weh tut es aber doch beim Lesen. Ich mag Sprache gerne, und dass sie immer so gequält wird, hat sie nicht verdient. 

"Ich mag Dokumentationen auch sehr gerne, besonders gerne archäologische Dokus- zudem aber immer auch gerne die eine oder andere niveaulose RTL-Serie, zur Zeit gerne "Doc meets Dorf".
Was genau tut man als Ingenieur?"

Wenn das mal keine prima Antwort ist!? Ich habe vorhandene Gemeinsamkeiten betont, elegant darauf hingewiesen, dass ich durchaus auch empfänglich für die leichte Muse bin und Interesse an seinem Leben bekundet- und das alles in kaum drei Zeilen! Die Antwort erfolgt prompt und ist relativ nichtssagend- hat irgendwas mit Kunststoffen zu tun, könnte sonst alles sein von Laufbursche bis Vorstandsmitglied.

"Jetzt aber genug davon, möchte dich damit nicht langweilen."

Bitte was? Soviel Mündigkeit darf man mir doch zutrauen, dass mich die Antwort auf eine Frage, die ich selbst gestellt habe, auch interessiert. Oder nimmt Ingenieur hier einfach mal an, dass ich als Frau technisch und naturwissenschaftlich von Haus aus uninteressiert bin? Das wäre umso unverständlicher, als ich, wie Ingenieur meinem Profil entnehmen kann, beruflich selbst eher naturwissenschaftlich ausgerichtet bin! Sei's drum, wenn ich ganz ehrlich bin, so vor mir selbst und wenn keiner zuhört- dann finde ich Kunststoffverarbeitung tatsächlich langweilig. Vielleicht ist Ingenieur auch einfach nur beängstigend einfühlsam und hat unterschwellige Vibes aus meinem Profil empfangen, die ihm das mitteilen? Oder er hat schon öfter mal die Erfahrung gemacht, dass der rechte Enthusiasmus für seine berufliche Tätigkeit gesprächshalber meistens nicht so ganz aufkommen mag?  Ich beschließe mal, diesen Punkt zu seinen Gunsten zu entscheiden. Bleibt noch ein anderer, viel gewichtigerer: da unsere Konversation um die Bundestagswahl herum stattfindet, nimmt Ingenieur das zum Anlass, mich unter Bezugnahme auf aktuelle Ereignisse über seine politische Gesinnung zu informieren-ganz übel! Hat ihm noch keiner gesagt, dass derart sensible Themen in einer Beziehung frühestens anlässlich der Silberhochzeit, keinesfalls aber noch vor dem ersten Date diskutiert werden sollten? Offenbar hat dem armen Kerl noch keiner die offizielle No-Fly-List für Gesprächsthemen beim / vor dem ersten Date gegeben: Politik steht eindeutig drauf. Zwar noch unter "Geschlechtskrankheiten", aber deutlich über "Religion". Ingeniuer ist jedenfalls unzufrieden:

"Am Sonntag hat man mal wieder gesehen, dass der Mensch mal wieder im entscheidenden Moment fatal handelt und nicht dazulernt - einfach nur erschreckend :-("

??? Hatten wir eine zweite Machtergreifung und ich habe es nicht mitbekommen? Man, ich mag Leute nicht, die automatisch darauf schließen, dass die Mehrheit doof ist, wenn sie selbst zur Minderheit gehören! 
Tja, was soll ich sagen? Ich quäle mich noch einige Tage mit der Frage: Schreibe ich was ehrlich aus tiefstem Herzen empfundenes zurück, oder soll ich besser nett sein und ihn einfach nur in die Wüste schicken? Ingenieur erweist sich ein zweites Mal als ausgesprochen empathisch und nimmt mir die Entscheidung ab:

"Mach's gut, aber ... Ich habe den Eindruck gewonnen, dass wir nicht wirklich zusammenpassen."


Lieber Ingenieur: Aus ganzem Herzen möchte ich dir da zustimmen! Und ich bin wirklich froh, dass wir uns da so einig sind! Leider sperrt die Internetplattform alle weiteren Kontaktmöglichkeiten, sobald man erstmal den Eindruck gewonnen hat, dass man nicht wirklich zusammenpasst- denn sonst hätte ich das Ingenieur auch noch so mitgeteilt.

Ich habe halt gerne das letzte Wort.

Vielleicht sollte ich das der Ehrlichkeit halber noch in meinem Profil erwähnen?

P.S.: Falls jemand die Rechtschreibfehler in den Zitaten aus Ingenieurs Nachrichten vermisst- ich habe sie ausgebessert. Das Gefühl beim Lesen war ein schmerzliches, ich wollte es dem geneigten Leser ersparen.

Samstag, 5. Oktober 2013

"Er war ein guter Jurist und auch sonst von mäßigem Verstande."

Rechtsanwalt, 35, schickt mir ein Lächeln von gar nicht mal so weit entfernt- und sieht auf seinen Bildern auch gar nicht mal so schlecht aus. Und außerdem: 108 Matching-Punkte! 184 cm! Da habe ich noch genug Luft für mittelhohe Absätze, ich müsste keine Schuhe aussortieren!
Besonders ist ihm an meinem Profil aufgefallen, dass ich keinen Fernseher habe, und das ist eine Eigenschaft, die wir, wie einige andere auch, teilen. Oha. Geschwollen daher reden kann er offensichtlich. Über die weiteren Eigenschaften, die wir teilen, schweigt er sich leider aus. Oder teilen wir nur diese eine Eigenschaft, dafür aber noch mit einigen anderen (Personen)? Tja, s****ß der Hund drauf, ich schreib ihm einfach mal zurück. Die Frage, ob ich mir eine Beziehung über zwei Städte hinweg vorstellen könnte, ignoriere ich einfach mal bei meiner Antwort, denn mein eher mickriges Zartgefühl fühlt sich hier auf die Füßchen getreten. Ist zwar eine relativ offensichtliche Kiste, was man auf so einer Plattform sucht, aber gleich so mit der Tür ins Haus... also nee... weiß ich jetzt nicht.
Jedenfalls mal eine unverbindliche Antwort formuliert, die mich nicht zu sportlich inaktiv und anti-intellektuell dastehen lässt. Scheint ihm aber zu unverbindlich zu sein, der Herr will mehr über mich erfahren (ist doch eigentlich sehr nett von ihm? ausgesprochen sympathische Eigenschaft, das!):

"Was machst Du so in Deiner Freizeit, um noch ein wenig zu "bohren"? Gehst Du gerne ins Theater oder in Ausstellungen? Ich bin darüberhinaus ein eher sportlicher Mensch, der gerne zwei bis drei Mal die Woche ins Fitnessstudio geht. Am Wochenende bin ich gerne mit dem Rad unterwegs. Würdest Du da mitziehen?

Viele Grüße, Rechtsanwalt"

Sehr sportlich, ja? Selbst schuld, hättest du mal besser einer anderen geschrieben. Radfahren kann ich. Mach ich auch. Meint der jetzt Trekkingtouren, so mit dem Mountainbike die Alpen überqueren? Oder eher so gemütliche Radtouren? Heikle Sache das, am besten mal gar nicht drauf eingehen. Das unten bereits erwähnte Stimmchen der Vernunft flüstert mir zu, dass ich doch Mr. Right finden will. Und wenn Rechtsanwalt ein Trekking-Touren-durch-den-Matsch-Fan ist, disqualifiziert er sich damit automatisch für den Posten. Egal, meine Eitelkeit muss schließlich auch zu ihrem Recht kommen, und ich stehe doch so gerne gut da! Ich werde also stattdessen mit meinen erlesenen Hobbies punkten:

"*Ich gehe SEHR gerne in die Oper, auch gerne ins Theater (lieber in die Oper, denn wenn da die Inszenierung schrecklich ist, kann man wenigstens noch die Augen schließen und sich an der Musik freuen) und ich würde gerne wieder in einem Orchester spielen, hab' bloß keine Zeit dazu
* Ich gehe gerne in Ausstellungen, ich mag auch Kunst (allerdings habe ich da manches Mal Verständnisprobleme bei den ZU zeitgenössischen Werken) und ich liebe Schlossbesichtigungen und Museumsnächte
* spießigerweise mag ich Handarbeiten"

Oh mein Gott, ich bin sterbenslangweilig. Ich würde mir selbst an dieser Stelle das "Valet" geben. Das klingt so astrein ausgedacht, als wollte ich mich um die Stelle als nächste englische Kronprinzessin bewerben wollen. (Und ja- ich weiß, dass der Job vergeben ist. Und, sorry William, du bist eh nicht mein Typ.) Ich meine- es ist auch alles absolut wahr, verschweigt aber gekonnt, dass ich auch besoffen Karaoke singe und zusammen mit der besten Freundin schlechte deutsche Mystery-Thriller aus dem Privatfernsehen synchronisiere. Dem Ziel, sehr intellektuell zu wirken, kommt es aber dafür recht nahe? Rechtsanwalt ist jedoch aus härterem Holz geschnitzt als ich und schreibt doch noch mal zurück. 

"Donnerstag mach ich mit einem Verein eine Besichtigung eines neues Wohnkomplexes. Bin mal gespannt, wie das wird. Ist ne Rentnertruppe."

Und das übrigens als Freizeitbeschäftigung, nicht beruflich. Zudem wird mir mitgeteilt, dass Rentner seiner Erfahrung nach ausgesprochen witzig und trinkfest seien. Langsam kommt mir Rechtsanwalt immer unbegehrenswerter vor: redet geschwollen, fällt mit Türen in Häuser, lässt sich durch maximale Biederkeit nicht im mindesten verschrecken und heizt vermutlich in seiner Freizeit mit dem Fahrrad durch die Anden! Ich schreibe was unverbindliches zurück - und kriege keine Antwort mehr. Auch gut. Deckt sich mit meinen Ansichten zu der Angelegenheit. 
Aber dann das Problem: in meinem Hirn formiert sich eine astrein witzige Nachricht. Die will raus. Die will geschrieben und verschickt werden. Sinnhaftigkeit und Selbstachtung hin oder her. Ich MUSS es wissen: haben ihn die Rentner unter den Tisch gesoffen?
Das war dann sogar für Rechtsanwalt zuviel:

"Ich glaube nicht, dass wir wirklich gut zusammen passen würden.Dafür sind unsere Interessen und Schwerpunkte leider zu verschieden. Nicht den Kopf hängen lassen! Du findest bestimmt einen netten jungen Menschen hier. Viel Glück."

Keine große Sache, Rechtsanwalt. Da sind wir uns ja einig.
Aber DAS hätte jetzt nicht kommen dürfen: einen netten jungen Menschen???? Alter Falter, ich bin ja sonst nicht so anfällig für spontane Anfälle von Fröhlichkeit, aber das beschert mir jetzt einen spontanen Lachanfall und mein Tag ist gerettet. Ein netter junger Mensch! Nee, is klar.
Danke, Opa!


P.S.: Das Zitat in der Übeschrift stammt von Ludwig Thoma. Nur für den Fall, dass ich doch noch mal in die Politik wechseln will!

Donnerstag, 3. Oktober 2013

Präemanzipatorisches Devotheitszentrum vs. Stimmchen der Vernunft

Gelegentlich... manchmal.... also, was ich sagen will: es kommt vor (tatsächlich!), dass ich angeschrieben werde! Und das jemand mein Profil für anschreibenswert hält, halte ich natürlich für eine ausgesprochen sympathische Eigenschaft, die an sich bereits eine freundliche Antwort verdient. Auch wenn das Anschreiber-Profil eher so naja aussieht. Oder die Nachricht eher so lala ist. Irgendwo in meinem Gehirn (ich vermute, im präemanzipatorischen Devotheits-Zentrum oder so) sitzen ein paar Verknüpfungen, die mir in solchen Fällen automatisch eine freundliche Antwort in die Tasten diktieren und das Stimmchen in meinem Hinterkopf übertönen, das leise aber kontinuierlich seine Gegenargumente durch mein Großhirn flötet:
"Haaaaaallooooooooooooo! Ich bin's! Das Stimmchen deiner Vernunft! Hör mal, der sieht doch echt doof aus! Das Profil ist richtig nichtssagend! Die Nachricht ist bescheuert! Mit dem Auszählen der darin enthaltenen Rechtschreibfehler ist mein Nachbar, das Hirnzentrum für Grundrechenarten, noch nicht fertig geworden....!"
Beispiel gefällig? Dann will ich mal nicht so sein: Da erhalte ich doch tatsächlich folgende Nachricht von Lehrer:

"Hallo du,

wirklich nette Infos hast du hier in deinem Profil - und auch deine Bilder, so verpixelt sie auch sein mögen, wirken irgendwie interessant und sympathisch. Vielleicht findest du das ja auch bei mir? Allerdings bin ich zur Zeit schon in einer Annäherungsphase :-) an eine andere Frau, die ich hier kennen gelernt habe. Ich sage das, weil ich ehrlich sein wil, und weil ich mir irgendwie nicht vorstellen kann, dass nur mir das so geht, seitdem ich hier bin ...

Wenn dich das nicht von vornherein stört, freue ich mich darüber von dir zu lesen. 

LG, Lehrer"



Das Devotheitszentrum ist in heller Aufruhr und fühlt sich nicht im mindesten durch die Tatsache gestört, dass Lehrer in seinem Profil angibt, besonders unvergesslich sei ihm ein Backpacking-Urlaub im Senegal gewesen (ich stelle mir das zwar auch unvergesslich vor, aber Lehrer redet hier ausdrücklich von guten Erinnerungen!). Ganz zu schweigen von der völlig unnötigerweise erwähnten Tatsache, dass er noch anderweitigen Kontakt hat? Hat das hier nicht jeder? Oder bin ich im Netz auf einmal zur Femme fatale mutiert und hab's nicht mitbekommen? Oder bin ich einfach ein unehrlicher Mensch, weil ich das nie erwähne, wenn ich jemanden anschreibe? Eventuell möchte Lehrer auch nur seinen eigenen Marktwert steigern? Aber noch hat es das Vernunft-Stimmchen nicht geschafft, zu meinem Großhirn durchzudringen. Also schreibe ich einfach mal zurück:


"Kein Ding, wenn es an der Zeit ist, dann gib mir Bescheid- du bekommst dann sofort ein Medley der Nachrichten, die mir schon einmal ein "ich glaube, wir passen nicht zusammen" eingebracht haben ;) - der Rest ergibt sich dann!
Bis dahin kannst du mir ja einmal sagen: wie kommt man dazu, Urlaub im Senegal zu machen?"


Dazu gebe ich natürlich meine Bilder frei, damit der arme Mann sich nicht länger mit den Pixeln herumärgern muss. Und die Antwort erfolgt prompt:

"suesse bilder, interessante frau!  senegal ist sehr nett! kannte leute dort, war von vorteil.  bin furchtbar gespannt auf das medley! wo wohnst du?
kuss"


KUSS??? Im Ernst? Ich bin vielleicht prüde und spießig, aber so schnell küsse ich nicht. Nicht nach zwei Nachrichten. Und nicht, wenn ich nüchtern bin.  Und selbstverständlich bin ich interessant, ausgesprochen interessant sogar! Und an Lehrer interessieren mich so langsam auch einige Dinge! Was um alles in der Welt unterrichtet man, wenn man nicht in der Lage ist, Umlaute zu verwenden, der Groß- und Kleinschreibung nicht mächtig ist und nicht darüber informiert ist, wann ein ß und wann stattdessen ein ss angebracht wäre? Das Vernunftstimmchen erklärt mir, dass das zwar eine sehr interessante Frage ist, die zu stellen mich aber keinen Meter weiter bringen wird. Stattdessen mache ich mich daran, besagtes Medley zusammenzustellen, in der Hoffnung, es möge seinen Zweck erfüllen- weit gefehlt!

"Also, meine Liebe, nichts davon schreckt mich ab - aber ich hatte schon gehofft, dass du vielleicht etwas dreister wärst in deinen Vorstellungen ....
Denn dann müsste ich mich jetzt nicht so weit aus dem Fenster lehnen :-)

Ich suche nach langer Zeit endlich jemanden, mit dem ich ab und zu die Zärtlichkeit austauschen kann, die ich zuviel in mir trage - ob das letztlich eine Beziehung wird, kann ich nicht sagen und möchte ich auch nicht sagen. Woher sollte man das wissen, nach wie vielen Dates, und wie viele Dates kann man haben auf 100 Kilometern, bis man das weiß ...

Darum, wenn du ich dir gefalle wie du mir, und du Lust auf etwas spontan Verrücktes (oder einfach Menschliches) hast, dann schreib mir wieder - ich kann es kaum erwarten. 

Lehrer"


Das erklärt natürlich so einiges- Lehrer sucht in mir also einen Partner für wochenendliche Bettgymnastik! Und wenn ich ihm zu anhänglich/hysterisch/schlecht im Bett bin, dann sagt er einfach: "Hör mal, ich hab dir doch von Anfang an gesagt, ich nähere mich da gerade an eine andere an...!" Dafür ist nicht mal mein präemanzipatorischer Devotheits-Kortex stark genug ausgebildet! Die Antwort darauf bleibe ich erstmal schuldig, denn ich will mir natürlich etwas sehr schlagfertiges und schneidendes überlegen...... und dann vergesse ich sogar ganz und gar, zu antworten. Und so kommt es, dass mich dann nach ca. vier Wochen Funkstille doch noch eine Nachricht von Lehrer erreicht:

"Mach's gut, aber ... Ich bin frisch verliebt und wünsche allen anderen das gleiche Glück!"











Und ich wünsche deiner Herzdame Glück, lieber Lehrer! Ist aber, nebenbei gesagt, sehr rücksichtsvoll von dir, dass du daran gedacht hast, mir Bescheid zu geben ;) Unnötig zu erwähnen: Diese Runde ging an das Stimmchen der Vernunft!